Der neue Mann
geschrieben von admin (27. Juni 2010)

Ich bin ja eigentlich nicht der eitle Typ. Aber es ist immer wieder faszinierend wie viel schon kleine Bemühungen beim Äußeren ausmachen können. Um die ganz offensichtlichen Dinge kümmern sich ja zum Glück die Meisten schon ganz von selbst. Waschen, Zähne putzen, Kämmen, das ist so das Standardprogramm.

Eitelkeit ist auf dem Vormarsch

Ich kenne allerdings auch viele, die sich noch mehr Mühe geben. Ein Freund von mir erzählte mal, dass er morgens im Bad länger brauche als jede Frau. Nicht, dass er sich schminken würde oder so was, aber er meinte, er zupfe sich die Augenbrauen, rasiere sich, trage eine porenklärende Maske auf, lasse eine Koffeinpackung gegen Haarausfall einwirken und das brauche dann schon seine Zeit. In der Zwischenzeit könne er sich dann die Zähne putzen, mit Zahnseide hantieren und mit Mundwasser gurgeln. Ich glaube ja, dass dieses ganze „Im-Spiegel-Anschauen“ dazu führt, dass man immer eitler wird und bei jedem Mal neue vergrößerte Poren, vergessene Augenbrauenstoppel, Pickel oder Fältchen findet, die einem sonst (und anderen schon gar nicht) wohl kaum aufgefallen wären.

Denn letztens kam besagter Freund an und meinte er würde sich überlegen, sich ein wenig Botox spritzen zu lassen. Ich fragte ihn, ob er jetzt völlig verrückt geworden sei, aber er zeigte mir, dass er über der Nase eine Zornesfalte hätte, die ihn immer irgendwie ärgerlich aussehen lassen würde, selbst wenn er strahlende Laune hätte. Und es wäre ja nur eine kleine Spritze. Ein Freund von ihm hätte das machen lassen und man würde es gar nicht sehen, außer dass er jünger aussähe…Na, aber wenn man es gar nicht sieht!

Haare statt Falten

Die Botox-Geschichte hat er dann wieder vergessen, aber letztens traf ich ihn wieder und dachte mir : „Irgendwie sieht er um Jahre jünger aus, aber die Zornesfalte ist noch da!“ Darauf angesprochen erzählte er mir, dass er bei seinen morgendlichen Sitzungen vor dem Spiegel entdeckt hatte, dass er ganz schöne Geheimratsecken gekriegt habe und auf einmal Angst gekriegt hätte, dass er ein Glatze kriege. Und da versteht „Mann“ ja keinen Spaß! Nachdem er sich eine Weile damit herumgeärgert hatte, fing er an, nach Lösungen zu suchen. Er versuchte die verbleibenden Haar darüber zu kämmen, aber das sah aus wie gewollt und nicht gekonnt. Irgendwie verzweifelt. An ein Toupeé, das man mit Klebestreifen befestigen muss war auch nicht zu denken, außerdem hat er ja noch ganz viele Haare.

Zum Schluss kam er darauf, sich nach professionellem Haarersatz zu erkundigen. Und die brachten ihn dann darauf, es mit einer Echthaartransplantation zu versuchen, bei der Haut und Haare vom Hinterkopf an die kahlen Stellen verpflanzt werden. Es sah echt gut aus bei ihm. Außer den Koffeinpackungen, die er jetzt immer noch benutzt, hat er an die zehn neuen Fläschchen und Tiegel auf seiner Badezimmerablage liegen, aber er benutzt nicht immer alle. Denn bei dem Experten, der seine Beratung zu der haarigen Frage durchgeführt hat, hat er eine Frau kennen gelernt, die sich einen Haarersatz anfertigen ließ, weil ihr nach ihrer Krebserkrankung und Chemotherapie die eigenen Haare ausgefallen sind. Das habe ihn ein wenig nachdenklich gemacht, ob das mit der Eitelkeit immer so wichtig sein müsste. Sieh an.


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